Kälberfeld

Der Ort wurde 1318 erstmals als Kelberveld erwähnt. Weitere Schreibweisen des Ortsnamens sind Kelbirveld und Kelberfeldt (1658). Der Anlass der Ersterwähnung musste den beteiligten Thüringer Adeligen Friedrich von Salza, Otto von Vanre und den Brüdern Albrecht und Friedrich von Wangenheim peinlich sein, sie mussten für ihre Missetaten Buße tun und dem Erzbischof Peter von Mainz ein hohes Buß- und Lösegeld sowie jährliche Einkünfte überlassen, um den gegen sie verhängten Kirchenbann zu lösen. Ihr Vergehen war Wegelagerei und die Entführung des Bischofs Albrecht I. von Anhalt auf die Burg Brandenfels, der dort monatelang in Kerkerhaft blieb.

Nach der Siedlungstypologie zählt Kälberfeld zu den Hagenhufendörfern, einer Sonderform der Waldhufendörfer. Das Dorf hatte einen Schulzen als Dorfoberhaupt, er saß auf dem Schulzengut. Als Gerichtsherren des Ortes traten die Wangenheimer in Erscheinung, welche auch als Patronatsherren über die Nachbarorte eingesetzt waren. Der später zum Wintersteiner Amts- und Gerichtsbezirk zusammengefasste Wangenheimer Besitz (Wangenheimsches Gericht) umfasste südlich der Hörselberge sechs Waldhufendörfer, es waren Schloss und Dorf Winterstein, die Dörfer Kahlenberg, Schönau, Deubach und Sondra. Weitere Rechte und Besitzungen gab es in Fischbach, Sättelstädt. Innerfamiliäre Teilungen, Erbschaften und Verpfändungen hinterließen eine Vielzahl von Urkunden, die im 19. Jahrhundert Grundlage für eine umfangreiche Familienchronik der Wangenheimer waren. Seit 1513 wurde der aus 15 bis 20 Höfen bestehende Ort Kälberfeld von verschiedenen Abkömmlingen der Wangenheimer (Wintersteiner Zweig) besessen, auch eine Mühle gehörte den Wangenheimern. 1638 wurde auch der Weinberg am Südhang des Kirschberges im Besitz des Jägermeisters Christoph von Wangenheim vernichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren die 500 Schafe im Kälberfelder Schafhof das als Wangenheimer Vorwerk diente, untergebracht, es gehörte je zur Hälfte zum vorderen und zum mittleren Wintersteiner Schloss. Nach dem Krieg erhielt der verwüstete Ort die an den Steilhängen des Großen Hörselberges angewachsenen Holzungen als Gemeindebesitz geschenkt.

Die Herrschafts- und Lebensverhältnisse im Dorf Kälberfeld um 1775 beschreibt Johann Georg August Galletti als Gothaer Historiograph in seiner Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha

Der Ort hat nur wenig und noch dazu schlechte Länderey. Die Einwohner müssen sich daher von Holzarbeit nähren, und um Tagelohn arbeiten. Die vielen Obstbäume, welche in der Flur stehen, geben den Einwohnern Gelegenheit, mit Eßigmachen ein Gewerbe zu treiben. Die Hörsel fließt an dem Ort vorbey, und treibt eine Mühle. Viele Einwohner haben ihr eigenes Fleck, wo sie fischen dürfen. An huten Wiesen fehlt es nicht und die Trift ist unverbesserlich. Der Ort besteht aus 52 Häusern und 2 wüsten Hofstätten. (...) Die alte Kirche ist 1726 ausgebessert worden. Sie ist eine Tochter der Kirche zu Sättelstädt. Erst in diesem Jahrhundert hat der Ort seinen eignen Schullehrer bekommen. Der Gemeine besitzt weiter nichts, als die Braugerechtigkeit und die Schäferey.

Der Ort besitzt heute zwei Siedlungskerne. Der ältere Teil des Dorfes liegt nördlich der Hörsel, in hochwassersicherer Lage. Mehrfach im Jahr sorgten Hochwasser für eine Unterbrechung der Verbindung zwischen beiden Ortsteilen, da der etwa 200 m lange Verbindungsweg und die Bahnunterführung überflutet wurden. Beim Frühjahrshochwasser 1961 organisierte die Freiwillige Feuerwehr acht Tage mit Schlauchbooten einen Fährdienst und pumpte zahlreiche Keller aus. Die Hochwasserschutzbauten wurden in den folgenden Jahrzehnten mehrfach verstärkt.

Kälberfeld liegt im Straßenverlauf der Via Regia, der Verkehr auf der Durchgangsstraße förderte die Entstehung des südlichen Dorfkerns, der jedoch nur wenige Meter über dem Uferniveau der Hörsel liegt und in der Vergangenheit vielfach von Hochwasser heimgesucht wurde. Die Ortschaft Kälberfeld hatte schon früh eine eigene Kirche, ein Wirts- oder Schankhaus und eine Schmiede. 1729 wurde die erste Schule erbaut. Auch eine Mühle wird erwähnt, sie befand sich an der Hörsel und erhielt schon 1910 einen Generator zur Stromerzeugung. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Gotha-Eisenach wurde die bisherige Dorfkirche zum Streitfall der Gerichte. Die Kirchgemeinde beklagte den ständigen Lärm und die Erschütterungen durch den Bahnbetrieb, schließlich kam die herzogliche Verwaltung in Gotha dem Gesuch um einen Neubau am Ortsrand nach. Die mit dem Kirchenbau verbundene Neuanlage eines Friedhofes hatte die Bauarbeiten verzögert, man tat sich schwer, eine geeignete Stelle zu erwerben. Die neu errichtete Kirche wurde als Lutherkirche geweiht und ist im historistischen Baustil errichtet worden. Die alte, spätromanische Dorfkirche an der Bahntrasse fiel wenige Wochen später der Spitzhacke zum Opfer.

Quelle: Wikipedia


 

 

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